„Engel von Sibirien“ hat ethische Vorbildwirkung
Heuer jährte sich am 28. März der 55. Todestag und am 6. Mai der 60 Jahrestag der Kandidatur zur Bundespräsidentenwahl von Prof. Dr. Burghard Breitner. Dies nahm die Wirtschaftsliste Salzburg (RFW) zum Anlaß, diesem herausragenden Österreicher zu Allerseelen eine Gedenkfeier zu bereiten.
WLS-Landesobmann Kornprobst: „Die Frage, was denn eine Wirtschaftsorganisation mit einem Soldaten, Arzt, Dichter und Universitätslehrer verbindet, ist mit einem Wort zu beantworten: Es sind die gemeinsamen Werte. Denn die Wirtschaftsliste Salzburg sieht sich nicht, wie andere Wirtschaftsverbände es offensichtlich tun, als reine wertneutrale Lobby im Geiste des Manchesterliberalismus, sondern bejaht und vertritt jene Werte, ohne die eine wirklich freie Gesellschaft nicht bestehen kann und die daher auch Grundlage einer Interessensvertretung sein sollten.“
Diese sind, so Kornprobst weiter, Toleranz, Opfermut und persönliche Treue gepaart mit Bescheidenheit und Prinzipientreue. Und eben diese ethischen Grundlagen jedes funktionierenden Gemeinwesens werden durch die Persönlichkeit Burghard Breitners verkörpert wie kaum durch einen anderen.
Mit der Kranzniederlegung soll Burghard Breitner als Vorbild in ehrender Erinnerung bleiben und die breite Öffentlichkeit dazu ermutigt werden, die angesprochenen Werte in ihren Lebensalltag aufzunehmen.
Biographie:
Prof. Dr. Burghard Breitner wurde am 10 Juni 1884 in Mattsee geboren, studierte in Graz Medizin, war Chirurg und später Professor für Chirurgie.
Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs setzte er sich heimlich an die Front ab, kam bereits ein Monat später in russische Gefangenschaft und übernahm in Sibirien die chirurgische Station des Gefangenenlagers. Entgegen mehrfacher Freilassungsangebote verblieb der „Engel von Sibirien“ zur Betreuung der Gefangenen bis 1920 in einem Gefangenenlager in der Nähe von Wladiwostock. In dieser Zeit entstanden seine auch für Wissenschaft interessanten Werke „Sibirisches Tagebuch“, „Kriegsgefangenlager in Sibiren“ und „Kriegsgefangene Ärzte“. Als Dramaturg und Dichter ist er der heutigen Öffentlichkeit weitgehend unbekannt geworden.
Zu seiner Zeit wurde er über sein Wirken in der Gefangenschaft zum „Medienstar“ wider Willen und als „ein glänzendes Beispiel für Opfermut und Treue“ beschrieben. Nach seiner Heimkehr widmete sich Prof. Dr. Breitner seiner Habilitation und wurde Professor für Chirurgie in Innsbruck.
Nachdem Bundespräsident Renner überraschend verstarb, stellte sich Burghard Breitner, mittlerweile Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes, für das „Dritte Lager“ als unabhängiger Kandidat für das höchste Amt im Staat zur Wahl. Nach einem eher unauffälligen und in höchstem Maße persönlich bescheidenen Wahlkampf konnte Burghard Breitner das historisch bislang beste Ergebnis von 15,41% für das „Dritte Lager“ erreichen. In Salzburg erreichte er einen absoluten Wahlerfolg und wurde Stimmenstärkster mit 36,1% bei über 95% Wahlbeteiligung, der spätere Bundespräsident Körner kam auf lediglich 26%.
Prof. Dr. Burghard Breitner starb am 28. März 1956 in Innsbruck an einem Herzinfarkt.
Heute erinnern in seiner Heimatgemeinde eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus, der Burghard-Breitner-Weg und das Breitner-Denkmal an der Seepromenade gegenüber vom Hotel Iglhauser.