Im Bericht „Nahversorger: Jeder fünfte ist verschwunden“ wird die dramatische Konzentration in der Handelslandschaft in Salzburg im Vergleich zu anderen Regionen als positiv bewertet. Die Dynamik sei im österreichischen Vergleich dennoch als gut einzustufen, weil viele Entwicklungen hintan gehalten werden konnten, die Zahl der Einzelhandelsbetriebe gleich geblieben ist und die Verkaufsflächen um nur 30% zugenommen haben.
Was diese Zahlendiagnose nicht preisgibt sind die Auswirkungen auf die Bürger als Konsumenten, Beschäftigte, Zulieferbetriebe und Steuerzahler. Hierzulande sind gleiche Waren der Grundversorgung teurer als in Deutschland und versuchte dies die Unternehmenssprecherin eines Handelskonzerns mit der um ein Prozent höheren Umsatzsteuer zu rechtfertigen. Dass Deutschland im Vergleich zu Österreich viermal so viel Anbieter bei Supermärkten, bei einem Drittel weniger Filialen und einer geringeren Dichte an Verkaufsflächen aufweist wurde wohlwissend verschwiegen. Der Verdrängungswettbewerb unter den drei Handelsketten in Österreich, die sich 80 % des Lebensmittelmarkts teilen, hat ein Mehr an Teilzeitbeschäftigungen, Teildiensten und längeren Öffnungszeiten erbracht. Dass dabei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zwangsläufig leiden muss, erklärt sich von selbst. Die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel führt weiter zu einem enormen Preisdruck auf die Zulieferbetriebe, wie vergangenes Wochenende auch der Präsident der Landwirtschaftskammer für die Milchwirtschaft erklärte. Schuld an dieser Entwicklung, bei der Salzburg europaweit eine Spitzenposition einnimmt, ist die fehlende Raumordnung. Nachdem die jeweiligen Landesregierungen Jahrzehnte lang den Wildwuchs auf der ehemals grünen Wiese zugelassen haben, kann heute lange noch nicht von einer Trendwende gesprochen werden. Zwar wurde das Raumordnungsgesetz vor zwei Jahren novelliert, dem Wildwuchs wurde dabei keine Grenze gesetzt. Diesbezüglich ist es leider fünf nach zwölf. Nach wie vor muss die Allgemeinheit für die Verkehrserschließung und Straßenerhaltung der „Shoppingcenter“ am Rande der Ortschaften aufkommen und kann dies nur als Quersubvention dieser Betriebe betrachtet werden! Dabei noch nichtberücksichtigt ist die Tatsache, dass das einst unverwechselbare Bild der Ortseinfahrten mittlerweile austauschbar geworden ist.
Freilich bräuchte die Landesregierung nur über die Grenze zu blicken und ein bewährtes Gesetzt zu übernehmen. Südtirol, geographisch mit Salzburg vergleichbar, hat ein Raumordnungsgesetz, dass nur Gewinner kennt: Die gewachsenen, ländlichen Regionen, die Städte, allerorts Beschäftigte und starke, regionale Zulieferbetriebe. Eine klar definierte Verhältnismäßigkeit zwischen Einwohnerzahl, Gewerbebetrieben und Handelsflächen und einer interkommunalen Absprache schafft im wahrsten Sinn des Wortes eine Raumordnung. Daher wäre unsere Landesregierung wohl beraten, sich nicht wie bisher hinter der Kompetenzlosigkeit zu verstecken, sondern den von ihr selbst – zu Recht – bejubelten Vordenker Leopold Kohr als Ratgeber aufzusuchen. Dazu genügt ein Blick in sein Werk „Das Ende der Großen. Zurück zum menschlichen Maß“.
Mag. Dorothea Fiedler
Obmannstv. Bundessparte Handel
Fraktionsobfrau Wirtschaftsliste Salzburg
Ähnliche Beiträge:
- Salamitaktik bei Europark-Erweiterung stoppen!
- Novelle der Salzburger Raumordnung wird wohl am Veto des Dorfpaschas à la Bieringer scheitern
- Raumordnungschaos in Salzburg vorprogrammiert
- Haigermoser beherrschte mit einer fulminanten Rede das Geschehen
- Beim Handelsabschluss heißen die Gewinner wieder einmal Finanz- und Sozialminister!